[Rezension] Ashes Brennendes Herz

Ashes Brennendes Herz – Ilsa J. Bick

Ink Egmont

Hardcover, 503 Seiten

19,99 €

Deutsche Ersterscheinung August 2011

Alex hat es nicht leicht, und deswegen rennt sie vor ihren Problemen davon. Eigentlich nur, weil sie das Mitleid nicht mehr erträgt. Und die Hoffnungslosigkeit, die ihr alle ausreden wollen. Vor allem ihre Tante.

Denn Alex hat einen faustgroßen Tumor im Gehirn, der ihr sogar schon den Geruchssinn geraubt und mehrfache Chemo und kleine Gehirnsonden verpasst hat. Und es wurde alles weder besser noch schlimmer. Nur unangenehm.

Also packt Alex ihre Sachen und flieht weit weg in das Waucamaw- Naturschutzgebiet. Dort möchte sie zelten und die Ruhe genießen. Doch schon kurz nach ihrer Ankunft, als sie gerade einen älteren Mann und dessen Enkelin Ellie getroffen hat, werden sie von einem Blitz und mit wahnsinnigen Schmerzen in die Knie gezwungen. Sogar die Tiere spielen verrückt, und nach dem Vorfall ist nichts mehr so wie es war. Ellies Opa ist tot, und Alex und die Achtjährige versuchen sich zunächst alleine durchzuschlagen. Doch nach einem Angriff von Blutrünstigen Jugendlichen und Hunden können sie nur von dem Soldaten Tom gerettet werden. Mit Tom gewinnen sie an Kraft und Mut, doch das Schicksal möchte die Jugendlichen nicht lange zusammen sehen. Ellie wird von Erwachsenen verschleppt, weil sie angeblich wertvoll ist. Und Tom wird lebensgefährlich angeschossen. Als Alex Hilfe in der nahegelegenen Stadt Rule suchen will, gerät sie in ein gefährliches Netz. Denn nichts ist wie es scheint. Und dann ist Tom verschwunden, und Alex kann die Stadt nicht mehr verlassen.

Ashes“ ist einer der gerade erschienen Romane im neuen Ink Verlag, einem Ableger von Egmont Lyx. Der Verlag möchte vor allem junge Erwachsene ansprechen, und Geschichten verlegen, die einen auch nach der Lektüre noch fesseln und sehnsuchtsvoll beschäftigen.

„Ashes“ passt selbstredend noch genau in dieses Konzept. Wann immer ich konnte, steckte ich die Nase hinein, und musste dringend wissen, wie es weitergeht. Hier beginnen aber schon meine winzigen Kritikpunkte (an der Geschichte).

Nach der Beschreibung auf der Verlagsseite und vor allem nach dem Klappentext hätte „Ashes“ ein schmalziger Liebesroman werden können. Ist er aber nicht. Es ist eher eine Geschichte wie in „Resident Evil“, nur ohne Virus. Und erst im Laufe der Geschichte wird so mehr und mehr aufgeklärt, was bei diesem Blitzähnlichen Einschlag wirklich passiert ist. Und nichts genaues weiß man nicht. Wir müssen auf die (auch schon angekündigte) Fortsetzung warten.

Erst nach 100 Seiten lernen wir den vom Klappentext als Alex‘ große Liebe ausgeschriebenen Tom kennen, und noch mal 100 Seiten weiter küssen sie sich erst. Kurz. Und über ihre Gefühle sind sie sich gar nicht klar, ganz im Gegenteil. Sie verheimlichen einander ihre Geschichten und ihre Pläne.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die Brutalität. Noch bevor wir Tom überhaupt begegnen, muss Alex sich zerfledderte Leichen, blutrünstige Jugendliche und überhaupt viel Tod und Verwesung anschauen.

Wirklich gelungen fand ich glücklicherweise doch noch ein paar mehr Sachen. Zum einen gibt es an manchen Kapiteln fiese fiese Bemerkungen, die die Stimmung zerstören und schon ein kleiner Kommentar zum kommenden Geschehen sind. Alleine dadurch war es unmöglich, das Buch sorglos zur Seite zu legen.

Außerdem fand ich gut, dass Alex und Tom endlich mal aus Filmen und ähnlichen (Horror-)Szenarien lernen. Zum Beispiel überlegen sie, mit einem Auto zu fahren, und Tom erinnert an die Situation in „Krieg der Welten“, in denen die Masse unbedingt in das Auto wollte. An der Stelle war ich echt mal zufrieden mit der Geschichte und der Autorin!

Die Figuren, allen voran Alex und Ellie, haben mir auch gefallen. Sie sind sehr authentisch, und ihre Handlungen fast immer nachvollziehbar. Alex benimmt sich noch wie eine 17-jährige, und Ellie wie 8. Die Autorin hat da sehr genau gearbeitet. Das hat mir sehr zugesagt.

Ein Kompliment auch an den Verlag für dieses echt hübsche Cover. Ohne den Schutzumschlag finde ich es sogar noch eine Spur hübscher! Man sieht dann nur die dunklen Bäume ohne das Gesicht des Mädchens, und der blaue Schimmer mit den weißen Vögelfiguren passt genau zur Stimmung des Buches. (Ein Bild hat Wonder’s Bücherkiste in ihrer Rezension hochgeladen)

Zusätzlich möchte ich noch etwas anmerken. Normalerweise schaue ich mir erst nach dem Schreiben meiner eigenen Rezension an, was andere geschrieben haben, aber diesmal fiel mir so schwer, die Worte zu finden, dass ich mir dann doch mal andere Rezensionen durchgelesen habe – und ich fand dort sehr ähnliche Empfindungen zu meinen (die ich vorher schon so im Lesetagebuch festgehalten habe).

Wie zum Beispiel Strandläuferin auf buechertreff.de anmerkt, ist die Geschichte stellenweise sehr sehr brutal wie ich finde. David auf daves buchwelt sieht das ähnlich, ebenso wie Wonder.

Etwas Gruseliges zu lesen kann sehr viel schlimmer sein, als es beispielsweise in einem Film zu sehen. Die Fantasie von uns kann so grausame Bilder projizieren! Schon nach den ersten grausigen Vorfällen in „Ashes“ habe ich das Buch nur bei vollbeleuchtetem Raum gelesen (ja, ich bin ein Angsthase – aber ein kreativer ^^).

Auch die Kritik, dass es als Liebesgeschichte ausgeschrieben ist, aber die etwas im Hintergrund (wenn überhaupt) stattfindet, fand ich wieder. Strandläuferin setzt sich damit sogar vor der Inhaltsangabe von Amazon auseinander („Anmerkung: Meiner Meinung nach ist diese Kurzbeschreibung irreführend. Es handelt sich NICHT um einen Liebesroman!“).

Interessant ist, dass das Buch uns irgendwie doch alle an etwas erinnert. Über Panem zu „The Village“ bis zu Resident Evil. Irgendwie ist ja auch keine Idee mehr ganz neu 😉

Fazit: Insgesamt bin ich doch fast zufrieden mit dem Buch, und möchte auf jeden Fall die weiteren Teile lesen. „Ashes“ ist ein Buch für junge Erwachsene (über 16 😉 ), die gerne leichten Horror und spannende Geschichten lesen, die ein bisschen Gefühl nicht stört, und sich gerne fesseln lassen.

Ich gebe 4 von 5 Sternen.

★★★★☆

Einen herzlichen Dank an den Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares. Von solchen Aktionen leben wir Blogger – danke danke danke!

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7 Gedanken zu “[Rezension] Ashes Brennendes Herz

  1. Schöne Rezi, allerdings hat das Buch ja nur 500 Seiten und nicht wie du angegeben hast 576 😉
    Finde es auch interessant, dass sich die Meinungen so gleichen. Fand es auch irreführend mit der Beschreibung, denn es ist wirklich kein Liebesroman 😉 Klingt aber bissl so, find ich.

    LG David

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  2. Pingback: »Ashes 01: Brennendes Herz« von Ilsa J. Bick | bloggervernetzt

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