[Rezension] Die Rose von Salerno

Die Rose von Salerno – Dagmar Trodler

Taschenbuch, 414 SeitenLink

Blanvalet Verlag, Historischer Roman

2009 als Taschenbuch erschienen

8,95 €

Die junge englische Prinzessin Ima verliert kurz vor der Hochzeit ihren Verlobten an die See. Um für ihn und ihre kranke Mutter zu beten, bricht sie mit einigen anderen zu einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela auf. Unter anderen ist auch Aiden, der Bruder ihres verstorbenen Versprochenen, dabei.

Doch unterwegs wird Ima Zeugin eines Mordes durch den Ritter Gérard, der alles andere als höflich und sittsam ist. Dennoch fühlen sich die beiden zueinander hingezogen, trennen sich jedoch unverrichteter Dinge. Ima beschließt für sich, den Ritter zu vergessen, doch Aiden folgt diesem als Knappe. Das kann die Engländerin nicht hinnehmen, hat sie doch geschworen ihren Fast-Schwager zu beschützen und heil nach Hause zu bringen.

Alleine und ungeschützt zieht Ima nach Salerno, und gerät dort in die Armee des normannischen Guiscard, der nach Rom zieht. Die junge Frau hat keine andere Möglichkeit, als sich zu verkleiden, und weiter Aiden und Gérard zu folgen.

„Die Rose von Salerno“ fängt ziemlich verwirrend an. Man wird in ein Geschehen in einer Kirche geworfen, lernt ohne Vorbereitung Ima und den Priester ihrer Pilgergruppe kennen, und weiß zunächst nicht, worum es geht (sofern man den Klappentext nicht gelesen hat). Holprig erschließt sich der Kontext, aber auch in weiteren Szenen wird auf Einführungen oder einleitende Hinweise verzichtet. Gerade bei Szenewechsel fehlt teilweise der Zusammenhang.

Die Figur der Ima und auch der Ritter Gérard sind sehr festgefahren in ihren bekannten Verhaltensweisen. Ima, als Adlige, muss sich selbst sehr erniedrigen und einer Gaukler- und Tänzertruppe beitreten, als sie Aiden folgt.

Gérard ist der klassische, rüpelhafte Ritter. Als im Ima begegnet, wandelt er sich nicht sofort. Er ist über seine eigene Stärke fasziniert, was wirklich gut beschrieben war. Er kann sein Verhalten nicht sofort ablegen, aber verändert sich auch.

Aiden hatte leider nur einen sehr kurzen Auftritt. Klischeehaft verliebt er sich in die Verlobte seines Bruders und stirbt kurz darauf, um Ima noch mehr Schuldgefühle und Trauer aufzuladen.

Die Schreibweise von Dagmar Trodler war leider etwas gewöhnungsbedürftig. Wie schon oben erwähnt, fehlte mir oft der Kontext bei Szeneneinstigen, und es gab wirklich irritierende Formulierungen, an denen ich ein paar Augenblicke festhing – das störte unangenehm den Lesefluss, so etwa „und beguckte sich den überzähligen Finger“ (S. 107). Oft fiel auch das Wort „schwatzte“ auf. Kettenhemden, der Tod, der Wind, die Dunkelheit, die Schwerter, alles Mögliche „schwatzte“. Der Tod speziell wurde auch für mich zu oft personifiziert, oder tauchte unerwartet auf, wo man ihn nicht erwartete. Ima konnte ihn in Händen, auf Wangen, in der Dunkelheit und an Wänden sehen.

Vielleicht liegt es daran, dass es bereits das sechste Buch von Dagmar Trodler ist, vielleicht ist es aber auch der Stil der Autorin – ich hätte noch einiges mehr an dem Buch verändert. Das ist aber vielleicht Geschmackssache.

Vielleicht hätte ich das Buch auch etwas weniger kritisch betrachtet, wenn ich es nicht während eines Lektor- und Korrekturwochenendes unserer Unizeitung gelesen hätte. Wenn man sich intensiv mit Sprache beschäftigt, fallen unregelmäßige Formulierungen sehr auf (wobei ich da sowieso sehr empfindlich für bin).

Insgesamt fand ich „Die Rose von Salerno“ nicht schlecht, ich würde das Buch auch weiterempfehlen! Für Germanisten ist es sicher schwierig (sofern man sich mit den Ausdrücken etc. beschäftigt), aber besonders Historiker wird es begeistern. Mit der Geschichte um Rom im 11. Jahrhundert kenne ich mich kaum aus, aber Dagmar Trodler versetzt einen sehr genau in die Zeit zurück – als wäre sie selbst dabei gewesen.

Ich vergebe 3 von 5 Sternen, weil es dennoch eine tolle Geschichte ist, die mit sehr detailverliebter Genauigkeit beschrieben wurde, und mich als Geschichts-Fan begeisterte.

Eine Leseprobe findet ihr hier.

★★★☆

Ich danke dem Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

Advertisements

Schreib mir einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s