[Rezension] Die Venus aus dem Eis


Die Venus aus dem Eis – Nicholas J. Conard / Jürgen Wertheimer

Gebundenes Buch,

320 Seiten

22,99 €

Die „Venus aus dem Eis“ ist kein rein wissenschaftliches Buch. Die Autoren Conard und Wertheimer sind Professoren für Ur- und Frühgeschichte und Literaturwissenschaft. Gemeinsam haben sie ein Buch geschrieben, dass sowohl eine pure Informationsquelle als auch ein toller Roman geworden ist.

Khar, eine junge Steinzeitfrau, gerät bei einem Schneesturm unrettbar in Gefahr. Aurl, nach unseren Vorstellungen so etwas wie ihr Geliebter, macht sich heftige Vorwürfe. Denn Khar wird nicht nur von der eigenen Sippe getrennt, sondern auch von den Fremden aufgenommen.

Um die junge Frau wiederzubekommen, muss Khar mit seiner Sippe zunächst den Streit beenden, und für einen guten Zeitraum können sie mit den Fremden zusammenleben. Doch im Sommer will der Anführer der Fremden neue Gebiete erschließen, und Khar und ihr neuer Geliebter haben das Gefühl, sie sind noch nicht Zuhause. Die Fremden kommen vom Meer, und suchen den Ursprung der Quelle.

Eine Reise durch das Steinzeitliche Schwabenland, mit Liebe und Leid, Freundschaft und Trauer, und vielen vielen Spekulationen…

Anders als mancher prähistorischer Roman haben die Autoren Conard und Wertheimer keine Wert auf pure Fiktion, oder eine rein wissenschaftliche Aufzählung der damaligen Tage gelegt. Liebevoll werden die Figuren geformt, entwickeln sich langsam und verknüpfen ihre Beziehungen. Teilweise ist die Schreibweise sehr einfach, aber klar ausformulierte oder ausufernde Sprachexkursionen der Figuren wären auch nicht authentisch gewesen. Wir wissen nicht hundertprozentig, wie weit die Sprache der Urmenschen entwickelt war, aber sie kann nicht so hochgrammatisch und ausgearbeitet gewesen sein wie unsere heutzutage.

Die Geschichte und die Lebensarten der Figuren ist schön nachkonstruiert und toll überlegt. Conard und Wertheimer betonen im Vorwort, dass sie eine Geschichte schreiben, die so möglich gewesen sein kann, es aber nicht sein muss. Sie haben sich vorneweg die Regeln gesetzt, dass alles möglich sein kann, was nicht hundertprozentig ausgeschlossen werden kann, dass aber keine Möglichkeit infrage kommt, wenn sie widerlegt werden kann. Sie nennen den Wissenschaftsbereich, der dabei entsteht, „Wissenschaftsfiktion“.

Bemerkenswert sind die vielen Infoboxen, die immer wieder im Buch auftauchen. Sie können leicht weggeblättert werden, und störten den Lesefluss nicht. Oft waren sie aber sehr nützlich, um über Funde zu berichten und Theorien zu bestätigen, die gerade in der Geschichte behandelt wurden.

Anders als manche Fiktion, die sich dann Steinzeitroman schimpft, ist „Die Venus aus dem Eis“ ein tolles, historisches Buch. Im Nachhinein war ich begierig, in der Schwäbischen Alb selbst die Schauplätze zu begutachten – endlich mal etwas deutsche Urgeschichte.

Der Roman ist empfehlenswert für alle, die sich ohnehin für Urgeschichte interessieren, wirklich gelungene Literatur genießen, oder sonst gerne informative (unwirtschaftswissenschaftliche) Lektüre lesen.

Vielen vielen Dank an den Knaus Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

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