[Rezension] Der gefrorene Rabbi

Steve Stern – Der gefrorene Rabbi

480 Seiten, € 21,95 (D) Gebunden

Blessing, ISBN: 978-3-89667-436-4

Erscheint am 10. Januar 2011

Originaltitel: The Frozen Rabbi

Aus dem Amerikanischen von Friedrich Mader

Bernie Karp ist ein gelangweilter, übergewichtiger Jugendlicher in Memphis, der gerne seinen eigenen Träumen nachhängt und Menschen meidet.

Eines Tages jedoch findet er in der Kühltruhe im Keller einen gefrorenen Rabbi, der -wie er erfährt – seit gut 120 Jahren im Familienbesitz schlummert. Bei einem Stromausfall wird der Eismensch aus seiner Starre erlöst, ebenso wie Bernies Interesse an dessen Geschichte erwacht.

Im Laufe der nächsten drei Jahre baut der Rabbi sich mit Hilfe von Bernies Vater ein „Haus der Erleuchtung“ auf, indem er seine Erfahrung aus dem Jenseits an seine wachsende Schar von Jüngern weitergibt und ihnen das Seelenheil verspricht. Bernie indes kehrt in die Vergangenheit zu seinen Wurzeln zurück, und erforscht mit Begeisterung sein jüdisches Erbe.

Zunehmend wird ihm dabei bewusst, dass sein Schicksal und das des Rabbis unzertrennbar verflochten sind.

„Der gefrorene Rabbi“ ist ein sehr unübliches Buch. Interessiert hat es mich vor allem wegen des jüdischen Hintergrundes.

Im groben Sinne ist es eine lange Familiengeschichte, die von der Handlung 2002 grob überspannt wird – der Rabbi im Eis wird in der Vergangenheit meist nur als Ballas mitgeschleppt. Leider konnte ich mit der Geschichte nicht so richtig warm werden, bis zum Schluss gab es kein richtiges Ziel der Geschichte, und auf den letzten Seiten erst schloss sich die Handlung teilweise, was aber dennoch zu einem unbefriedigenden Ergebnis führt.

Als der Rabbi erwacht, ist er undurchschaubar und (vielleicht lag das aber auch an mir) sehr irritierend. Er hat sehr komisch gesprochen, was das Lesen verlangsamt hat, weil ich mir im Kopf alles vorsprechen musste, um es zu verstehen.

Sehr verwirrend waren dabei die ständigen jüdischen Ausdrücke, die selten (zufriedenstellend) erläutert wurden. Eventuell lag es auch an der Übersetzung, aber die Formulierungen generell waren sehr seltsam, öfter habe ich kopfschütteln das Buch zur Seite legen zu müssen – einzig das Interesse, wohin die Geschichte noch gehen mag, ließ mich weiterlesen.

In der gesamten Handlung hab es einige gewöhnungsbedürftige Sprünge, sowohl in der Zeit als auch zwischen den Personen. Besonders am Ende waren die Sprünge aus Rubys Sicht oder Bernies zu Lou Ellas Perspektive und schlussendlich sogar zu der einer Nebenfigur (bis dahin) sehr verwirrend.

Über die jüdische Kultur und ihre Sprache erfährt man dagegen einiges, und das war das einzig positive an dem Buch, und auch der Grund, warum ich es lesen wollte.

Wer neben Interesse an der jüdischen Geschichte der letzten 130 Jahre auch auf abstruse Formulierungen steht, der sollte sich das Buch anschaffen. Freunde von geflegter, verständlicher Handlung können das Geld für bessere Bücher ausgeben!

Lesesprobe und weitere Eindrück findet ihr bei vorablesen.de

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3 Gedanken zu “[Rezension] Der gefrorene Rabbi

  1. Du schreibst, der Rabbi habe komisch gesprochen… Also wirklich komisch?
    Oder spricht er nur einfach jiddisch und benutzt eine Sprache, die zu seiner Zeit üblich war?
    Irgendwie interessiere ich mich für das Buch…

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  2. Der Rabbi hat sowohl mit jiddischer Weise als auch verwirrend gesprochen. Das war zu der Zeit, als er eingefroren war, sicher üblich, aber es war sehr anstrengend zu lesen.
    Wenn es dich interessiert, leihe ich es dir gerne mal 😉

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  3. Ich fand das Buch durch die vielen jiddischen Begriffe sehr schwer zu lesen. Und das im Vorabexemplar das Glossar fehlte, machte es nicht einfacher 😉

    Ich fand es aber auch eher durchwachsen bis nicht so toll. Obwohl die Geschichte bzw. Vergangenheit zum großen Teil echt gut war…

    lg, sandra 🙂

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