[Rezension] Die Henkerstochter

Die Henkerstochter – Oliver Pötzsch

1. Auflage 2008
Ullstein Verlag, Taschenbuch

512 Seiten

8,95 €

Gerade 60 Jahre ist es her, dass die Hexenprozesse in Schongau vorübergegangen sind, da wird eine Hebamme erneut der Hexerei beschuldigt. Und irgendwie scheint es auch diesmal nicht mit rechten Dingen zu zugehen, denn kleine Kinder werden ermordet, ein Söldner mit Knochenhand und Hinkefuß läuft durch die Stadt, und den toten Kindern sind magische Symbole unter die Haut geritzt worden.
Henker Jakob Kuisl würde der Hexenprozess weniger nahe gehen, wenn nicht die Hebamme seine Kinder alle zur Welt gebracht hätte – und er nicht felsenfest von ihrer Unschuld überzeugt wäre.
Zusammen mit dem Medicus-Sohn Simon, welcher der Henkerstochter Magdalena schöne Augen macht, versucht er die Unschuld der Hebamme zu beweisen.
Viel Zeit bleibt ihnen allerdings nicht mehr, denn der Landgraf ist bereits von der Hexe informiert worden, und auf dem Weg nach Schongau, um weitere Frauen auf den Scheiterhaufen zu stellen.
Bei der Suche nach der Wahrheit stoßen die Männer und Magdalena auf eine viel größere Verschwörung, die ganz anders foranschreitet, als sie es je vermutet hätten.

Genau wie der bereits gelesen Teil 3 der Henkerstochter-Reihe war auch der Debutroman von Oliver Pötzsch ein Meisterwerk. Liebevoll wird die Stadt und die Familie Kuisl eingeführt, und historische Fakten eher nebensächlich erwähnt, sodass sie nicht stören.

Ganz wunderbar sind die Beschreibungen. In einem Wirbel zwischen Eindrücken und Fakten wird der Leser durch die Geschehnisse geführt, die aber nie aufdringlich wirken oder etwas missen lassen. Flüssig zieht die Erzählung dahin, es ist leicht zu folgen und die Geschichte stockt an keiner Stelle.

Die Figuren sind weder einseitig noch langweilig, sondern haben ihre Charakteristika und sind schön ausgearbeitet. Die Charaktäre entwickeln sich nicht groß, was aber in der kurzen Zeit, in der die Geschichte spielt, zu viel gewesen wäre. Sie werden so dargestellt, wie sie zu dem Zeitpunkt sind. Zart noch bandeln Magdalena und Simon an, vordergründig steht aber die Suche nach der Wahrheit um die Hebamme zu entlasten. Die Liebe ist kein großes Thema in der „Henkerstochter“ – aber es fehlt auch nicht, so spannend ist die Geschichte.

Bis zum Ende schafft Pötzsch es, den Spannungsbogen aufrecht zu halten, gibt immer nur so viele Details, dass der Leser sich selbst keinen richtigen Reim machen kann, und auf das weitere Vorankommen der Protagonisten angewiesen ist. Das Buch liest sich dadurch umso mehr in einem Rutsch und sehr zügig.

Es ist eine Freude, dass bereits zwei weitere Teile erschienen sind, denn auch Teil 2 „Die Henkerstochter und der schwarze Mönche“ wird mit Sicherheit ein Lesegenuss werden.

Vielen herzlichen Dank an den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

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