[Rezension] Die Glasbücher der Traumfresser


Die Glasbücher der Traumfresser – Gordon Dahlquist

Originaltitel: The Glass Books of the Dream Eaters

Aus dem Amerikanischen von Bernhard Kempen

Blanvalet, 1. Auflage September 2009

928 Seiten, Taschenbuch

9,95 €

Es ist Schicksal, dass an jenem Abend bei einer festlichen Gesellschaft auf Harschmort Manor wirkt. Miss Temple wollte sich eigentlich nur erkundigen, wieso ihr Verlobter eben jene Verlobung mit nur einem Zettel und ohne Begründung gelöst hat, und befindet sich plötzlich nicht mehr auf einem Maskenball, sondern in einem grausamen wissenschaftlichen Schauspiel. Nur mit Geschickt und viel Mut kann sie flüchten – und ist sogar für einen Mord verantwortlich.
Doch das ist nicht das einzige Verbrechen, was an jenem Abend geschieht. Durch Zufall ist auch der Kardinal, auch „Chang“ genannt (wegen einer Augenverletzung, die ihm einen asiatischen Touch verleiht), anwesend, und gerät aus Neugierde ebenfalls in die immer größer werdende Verschwörung.
Ebenfalls aus anderem Grund vor Ort ist der deutsche Doktor Svenson aus dem Herzogtum Mecklenburg. Als sein Prinz, für dessen Gesundheit er verantwortlich ist, verschwindet, kann Svenson nicht anders als sich ebenfalls einzumischen.
Von Außen betrachtet wirken die drei wie von einer Organisation beauftragt, denn sie stiften Unheil ohne es direkt zu wissen. Als sie sich zufällig in einem Hotel treffen, beschließen sie zusammenzuarbeiten, und gemeinsam das Rätsel und die geheimnisvollen Vorgänge aufzulösen. Damit stürzen sie sich nicht nur in ein Abenteuer, dass ihre Vorstellung übersteigt, sondern begeben sich auch in Lebensgefahr.

Nachdem der nette Herr aus der Randomhouse-Presseabteilung mir dieses Buch zugesandt hatte, wusste ich zunächst wenig damit anzufangen. Ein Sci-Fi-Roman, der historisch sein soll, war mir noch nicht untergekommen. Doch als ich mich endlich an das Buch herantraute, war es ganz anders, als ich mir vorgestellt hatte. Vielen Dank für die Möglichkeit, dieses Buch lesen zu dürfen!

Die Geschichte ist in der Viktorianischen Zeit angesetzt, und es ist sehr erfrischend, dass die Figuren keine Möglichkeiten des Telefons kenne, keine Autos haben, und sich nur zu Fuß oder per Kutsche fortbewegen können.
Über die Stadt an sich wird auch nicht viel erzählt, Dahlquist hat seinen Schwerpunkt auf die Figuren und die geheimen Machenschaften der „Traumfresser“, wie der Titel sie nennt, gelegt.

Miss Temple, der Kardinal und Doktor Svenson sind drei Personen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Und alle ihre Unterschiede hat Gordon Dahlquist herausgearbeitet, bis jede Figur am Ende des Romans einem so vertraut ist, dass man fast weiß, wie sie handeln wird. Mit viel Liebe (vor allem Liebe zum Detail) wurden die Szenen ausgearbeitet, und man gewinnt alle Figuren auf ihre Art zu schätzen.
Dennoch war es teilweise sogar etwas zu langatmig, vor allem wenn Miss Temple darüber sinniert, wie sie als Person ist. Oder wenn Doktor Svenson sich vorstellt, dass er wie der Kardinal sein könnte.
Je weiter die Geschichte fortschritt, war auch deutlich zu bemerken, wie sich die Figuren weiterentwickeln. Etwas, dass nur in wenigen Büchern zu finden ist – auf den über 900 Seiten dieses Buches aber mehr als angebracht war.
Erwähnenswert ist hier die Szene, in der ich nur dachte „endlich lernt er aus seinen Fehlern!“:

„Doch als der Mann den unverhohlenen Wunsch nach genaueren Informationen äußerte, kam [Svensons] große Erfahrung als Arzt ins Spiel, absolut glaubwürdig zu wirken, wenn er sich eigentlich hilflos und unwissend vorkam.“ S.419

Immer eine Priese Erotik einwürzend werden die Geschehnisse im Herrenhaus und in der Stadt gut und bildreich geschildert. Hin und wieder wirft Dahlquist tolle Vergleiche ein, die mich des öfteren zum Schmunzeln brachten.

Die Gegenspieler, die „Traumfresser“, werden im Buch weiter und weiter ausgeweitet, aber nie wird so vielen von ihnen preis gegeben, dass man sie durchschaut. Bis zum Schluss sind ihre Motive nur zu erraten und kaum zu verstehen. Die Geheimnisse der Glasbücher werden so schleppend enthüllt, dass ich mich zusammenreißen musste, nicht schon voraus zu lesen, auch wenn es sich lohnte zu warten.

Leider ist bis zum Ende nicht alles ganz so gelöst worden, wie ich es mir zunehmend gewünscht habe, und selbst wenn ich nicht gewusst hätte, dass es einen Fortsetzungsroman gibt, ist es nur deutlich, dass es weitergehen wird.

Dennoch ist „Die Glasbücher der Traumfresser“ ein erfrischend anderes Buch in den Reihen der Historischen Romane, und trotz des starken Fiktional-Einschlags habe ich es verschlungen, so schnell ich konnte, um die Lösung aller Rätsel zu erfahren – und musste am Ende stark sein!
Das Buch ist eine Empfehlung für Fans von guten Kriminalgeschichten, viel Fantasie, und mutigen Persönlichkeiten.
Meine Rezension kann dem 900-Seiten-Roman nur gering gerecht werden, denn mehr in Worte zu fassen würde die Spannung verraten, wie ich finde. Deswegen nur mein Tipp: Lesen 🙂

Nach dem Lesen habe ich mich auch auf der Buch-Homepage schlau gemacht. Anfangs habe ich mich nämlich über die Aufteilung der Kapitel in sehr sehr lange Abschnitte (70-100) Seiten gewundert, und herausgefunden, dass das einzelne Bücher sein sollten, und die Originalausgabe auch mit so kleinen Heftchen erschienen ist. Wäre vielleicht auch eine Überlegung, sich das Buch nochmal auf Englisch anzuschauen.

Mehr zu den Büchern, und dem Autor, und der Fortsetzung findet ihr HIER.

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