[Rezension] Krank in Deutschland


Krank in Deutschland – Renate Hartwig

Erstauflage Oktober 2010

Pattloch Verlag (Dreemer Knaur)

Taschenbuch, 267 Seiten

18,00 €

„Diejenigen, die entscheiden, sind nicht gewählt, und diejenigen, die gewählt sind, haben nichts zu entscheiden.“ (Horst Seehofer)

Zusammenfassung vom Verlag:

Ein Down-Kind, dem man die logopädische Therapie verweigert; ein Krebspatient, den man unter fadenscheinigen Gründen aus der Krankenkasse wirft, ein Frühchen, das man im Kreißsaal liegenlässt, um teure Brutkästen zu erzwingen – so sieht die Schattenseite unserer Praxen und Krankenhäuser aus. »Was wir gerade erleben, ist der Einstieg in eine seelenlose, durchorganisierte Großmedizin und der Abgesang auf ein humanes, am Patienten orientiertes Gesundheitswesen«, so lautet das Fazit von Renate Hartwig. Sie ist die Frontfrau des Widerstands gegen die Gesundheitsreform. Zehntausende sind ihrem Aufruf zu Protestveranstaltungen im Münchner Olympiastadion gefolgt. Hunderte von Ärzten, Patienten, Krankenschwestern und Pflegern sind auf sie zugekommen, haben »ausgepackt« und den skandalösen Zustand einer menschenverachtenden Medizin der Abkassierer enthüllt. Hartwig hat ihre schockierenden Berichte gesammelt, ausgewertet und zu einem schockierenden Report verdichtet.

Schon auf den ersten Seiten, in den ersten Sätzen, erregt Renate Hartwig eine Wut über die Krankenkassen und Verhältnisse, die im gesamten Buch nicht abnehmen will. Nachdem sie in den ersten Kapiteln auf schockierende Krankenfälle aufmerksam macht, und immer wieder verdeutlicht, dass das keine Einzelfälle sind, bringt sie nach und nach mehr Zahlen und Fakten ein. Mit Zitaten und Interviewausschnitten zeigt sie, wie machtlos die Politiker sind.

Ähnlich wie in „DICK DOOF UND ARM?“ sind es die Pharmakonzerne und hier auch die Krankenkassen, die unsere Gesellschaft zerstören. Hartwig zeigt auf, wie der Kranke zum „Kunden“ wird, und die Ärzte reine Hersteller und Geldeintreiber werden – weil sie nichts ändern können.

Überallem tragen jedoch Konzernbosse in Amerika die Schuld. Im Land auf der anderen Seite des Atlantiks werden Kranke von den Ärzten, die für eine große Organisation arbeiten, wie Vieh behandelt, durchgeschleust, nur dürftig behandelt. Dafür bekommen die Ärzte an ihrem Lebensabend eine ordentliche Pension – allerdings müssen sie unter den Bedingungen des Konzerns arbeiten. Hartwig zeigt in zwei detaillierten Zukunftsausblicken, wie unsere Zukunft in Deutschland aussehen kann, wenn wir krank werden.

Immer und immer wieder betont sie auch, dass wir alleine daran schuld sind. Wir alle. Wir zahlen brav unsere Beiträge (private Krankenkassenversicherte dabei ausgenommen), und nehmen die Machenschaften der gesetzlichen Krankenkassen hin. Wie sie unser Geld verwalten, wollen wir nicht wissen – oder nehmen es einfach hin!

Eine schreckliche Versorgung droht uns. Die Krankenkassen und Konzerne wollen möglichst viel aus den Kranken holen, vor allem auf Kosten derer Gesundheit. Bereits heute werden zum Beispiel beim Nierenleiden weniger Untersuchungen unternommen, solange noch keine Dialyse nötig ist. Denn eine Dialyse bringt mehr Geld, und eine Nierentransplantation ist nur teuer (für die Kasse – sofern sie übernommen wird). Chronisch kranke werden bevorzugt, in Krankenhäuser dagegen gespart. Je schneller ein Patient abgefertigt werden kann, umso besser. Ein freies Bett bedeutet einen neuen Kranken, der Geld zahlen muss.

Dass besonders diejenigen zu kurz kommen, die sich nicht wehren können, zeigt Hartwig in tiefgehenden Beschreibungen auf.

Mehrmals im Laufe des Lesens habe ich das Buch nur zur Seite legen wollen, weil es so aufwühlend war. Ganz ähnlich wie bei Friedrich Schorb ist die Wahrheit unangenehm. Und wir wollen sie eigentlich nicht hören.

Dennoch war es gut, mit solch klaren Worten zu lesen, was bei uns schief läuft. Es ist gut zu wissen, dass es Leute gibt, die aufstehen und auch etwas sagen. Denn in unserer Geschichte ist das viel zu selten passiert. Mein persönliches Fazit war nach dem Buch, dass ich, wenn ich wieder in eine gesetzliche Krankenkasse eintreten muss, sehr genau aufpassen werde, was mir zusteht, und wie ich meine Rechte einfordern kann. Denn damit erreiche ich etwas. Wir lassen solche Ungerechtigkeiten nicht einfach mit uns machen!

Immer aktuell informiert auch über Renate Hartwigs Blog. Leseprobe und Infos zum Buch auf der Verlagsseite.

Vielen Dank für den Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares!

Advertisements

Schreib mir einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s