[Rezension] Die weißen Lichter von Paris


Theresa Révay – Die weißen Lichter von Paris
Französische Originalausgabe unter dem Titel „La louve blanche“, erschienen 2007

Goldmann, Taschenbuchausgabe August 2009

572 Seiten

8,95

Aus dem Französischen von Barbara Röhl

Russland, Anfang der 20er Jahre. Die russische Grafentochter Xenia Fjodorowna Ossolin wird schlagartig aus ihrer behüteten Kindheit gerissen. Brutal wird ihr Vater in seinem Arbeitszimmer ermordet, und ihre Mutter stirbt wenige Tage später im Kindsbett. Verzweifelt fliehen Xenia, ihre Schwester und ihr Kindermädchen mit dem gerade geborenen Kyrill über das Meer mit Umwegen nach Paris. Dort versuchen sie, sich eine neue Existenz aufzubauen, und Xenia opfert sich für ihre kleine Familie auf.
Doch als eines Nachts ihre kleine Schwester, die nicht versteht, warum die Ältere so streng ist und ihnen so wenig gestattet, wegläuft, lernt Xenia den Fotografen Max von Passau aus Deutschland kennen. Von der ersten Begegnung an besteht eine Verbindung zwischen ihnen, doch erst als sie sich Monate später in Berlin wiedersehen, geben sie sich ihrer Leidenschaft hin.
Aber Xenia kann sich Max nicht ganz öffnen, sie fühlt sich für ihre Familie, zu der auch wieder der aus dem Krieg zurückgekehrte Onkel Sascha gehört, verantwortlich.
In den Wirren des ausbrechenden Weltkrieges steht Xenia zwischen ihrer Liebe, der Verantwortung, dem Hass auf Adolf Hitler, und der Gefahr um diejenigen, die ihr nahestehen.

„Die weißen Lichter von Paris“ entsprach überhaupt nicht meinen Erwartungen – im positiven wie im negativen Sinne.
Nachdem Xenia gerade noch aus Russland fliehen konnte, und in Paris ein neues Leben begann, versprach die Geschichte eine tolle aber schwierige Romanze zwischen der Grafentochter und Max von Passau zu werden.
Einschübe erzählten von dem Deutschland der 20er Jahre, und auch von den Menschen um den Fotografen.
In großen Schritten ging die Geschichte aber auf den zweiten Weltkrieg zu, und sowohl Max als auch Xenia waren viel tiefer mit den Geschehnissen verbunden, waren viel näher an den Führungspersonen von Deutschland, als ich es für möglich gehalten hätte.
Leider war auch die Unerbitterlichkeit, und die Beschreibung des Schicksals von Xenias Vater zu Beginn des Buches nur ein Vorgeschmack auf weiter Schicksalsbeschreibungen.
Als Adolf Hitler sich sein Nest gerade so richtig zurechtgemacht hatte, baute Révay große Bilder wie Eisberge auf, von denen sie nur die Spitzen über dem Wasser beschrieb, aber deutlich machte, dass unter der Oberfläche ein gigantischer Block saß.

Aus dem erwarteten Liebeskitschroman wurde ein historischer Roman voller Liebe, Leidenschaft, Wirrungen, Enttäuschungen und so viel mehr Gefühl, dass es Worte nicht fassen können.

Es ist bereits der zweite Roman erschienen, „Der Himmel über den Linden“, auf den ich sehr gespannt bin, denn die Geschichte von Xenia und Max, von den Russen in Paris und den Deutschen, konnte im ersten Roman noch nicht zuende erzählt werden!

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