[Interview] Sabine Weiß

Sabine Weiß, geboren 1968, wuchs in Hamburg auf, und studierte Germanistik, Geschichte und Erziehungswissenschaften. Heute arbeitet sie erfolgreich als Journalistin für verschiedene Zeitungen, vor allem über Medienthemen.

2008 erschien im Marion von Schröder Verlag ihr erster historischer Roman „Die Wachsmalerin“, der das Leben der Marie Tussaud, damals noch Marie Grosholtz, in ihren Anfängen und Entwicklungen portraitiert. 2009 folgte die Fortsetzung „Das Kabinett der Wachsmalerin“. Beide Werke sind bereits als Taschenbücher im List Verlag erschienen.

Vor kurzem brachte Sabine Weiß schließlich ihr neustes Projekt auf den Markt: „Die Buchdruckerin“, die Geschichte über die Straßburgerin Margarethe Prüß.

Liebe Sabine, vielen Dank dass du dir die Zeit nimmst, mir ein paar Fragen zu beantworten:

Seit wann schreibst du, und seit wann ist es genau das Genre Geschichte?

Ich habe schon immer gerne geschrieben. Meine Mutter hat sogar noch ein kleines Bilderbuch, das ich als Kind selbst entworfen und gestaltet habe. Mit geschichtlichen Themen habe ich mich während meines Studiums auseinander gesetzt. Ich bin aber auch ein großer Fan historischer Sachbücher und Romane. Später habe ich mich auf den Journalismus konzentriert, auf Film- und Buchkritiken, Interviews und Hintergrundberichte aus der Medienszene. Mein erster Versuch, einen historischen Roman zu schreiben, war „Die Wachsmalerin“.

Was hat dich an Madame Tussaud fasziniert, dass ein eigenes Buch daraus wurde?

In „Die Maßlosen“, einem Roman Noir des französischen Autors Jean-Francois Vilar, kommt Marie Tussaud ganz am Rande vor. Vilar erwähnt, dass sie aus einer Henkersfamilie stammte und während der Französischen Revolution die Totenmasken der Revolutionäre nehmen musste. Beides hat mich so erstaunt, dass ich zu recherchieren anfing. Je mehr ich über ihren Werdegang herausfand, umso faszinierter wurde ich. Marie Tussaud muss eine ausgesprochen willensstarke Persönlichkeit gewesen sein, die selbst größte Widerstände überwand.

Da nicht sehr viel über Marie Tussaud bekannt ist, war die Recherche ja nicht sehr einfach. Wie bist du dabei vorgegangen?

Zunächst habe ich über die Staats- und Universitätsbibliothek in Hamburg alles bestellt, was es über sie gab. Schnell stellte ich fest, dass es Lücken in ihrer Biografie gibt, dass aber auch falsche Informationen von ihren Biografen immer wieder aufgenommen worden waren. So hieß es beispielsweise, sie sei Schweizerin gewesen. Das stimmt aber nicht, ich habe selbst die Bescheinigung ihrer Geburt im Straßburger Stadtarchiv in den Händen gehalten. Wie kommt es also zu diesem Gerücht? Ihr Ziehvater und Lehrmeister Curtius hatte einige Zeit in der Schweiz verbracht. Zudem herrschte während ihrer englischen Tourneejahre ein langer und erbitterter Krieg zwischen England und Frankreich. Als Französin gehörte sie dem Feind an – deshalb erzählte sie, sie sei Schweizerin.

Wie kam es anschließend zur „Buchdruckerin“, und worum geht es in der Geschichte?

Ich bin durch Zufall auf Margarethe Prüß gestoßen, als ich einem anderen Thema nachging. Man weiß nur sehr wenig über sie, nicht einmal ihr Geburtsdatum ist bekannt. Was man jedoch weiß, ist beeindruckend: sie stammt aus einer Druckerfamilie, führte die Druckerei ihres Vaters fort und gehörte mit ihren Männern zu den bedeutendsten Druckern reformatorischer Schriften im Straßburg des sechzehnten Jahrhunderts. „Die Buchdruckerin“ schildert ihr bewegtes Leben – sie war dreimal verheiratet – vor dem Hintergrund der Reformation und der Glaubenskämpfe. Mir gefiel besonders, dass sie sich mit ihren Druckwerken für Glaubensfreiheit und Toleranz einsetzte.

Wie sieht der perfekte Tag für dich aus?

Ein perfekter Tag ist, wenn ich auf Recherche durch die Lande Reise – am besten mit meinem Mann und meinem Sohn, die sich vergnügen, während ich arbeite – und in Archiven oder Museen spannende Informationen entdecke.

Zuhause liebe ich es, wenn ich mich in Ruhe – mit einem Milchkaffee und einer Wärmflasche für die Füße – an meinen Schreibtisch setzen kann, einen kurzen Blick in meine zahlreichen Unterlagen werfe und einfach losschreibe. Ein großartiges Gefühl ist es natürlich, wenn „es fließt“, wenn ich dass Gefühl habe, dass Szenen gelingen. Nachmittags bin ich gerne an der frischen Luft, buddle mit meinem Sohn im Garten oder laufe. Etwa einmal die Woche fahre ich in die Bibliothek. Am Abend gehe ich meine Notizen und Sachbücher für den nächsten Abschnitt noch einmal kurz durch, damit ich am nächsten Morgen gleich weiterschreiben kann.

Gibt es ein literarisches Vorbild?

Eigentlich nicht. Ich lese sehr viel und querbeet. Sachbücher, Krimis, Belletristik. Zuletzt haben mir die Krimis von Jo Nesbø, Hilary Mantels „Wölfe“, Len Fishers „Schwarmintelligenz“ und die Kolumnen von Axel Hacke gefallen.

Wird es noch mehr Geschichten über historische Frauen aus deiner Feder geben? Eventuell sogar in einem anderen Genre?

Ich hoffe es sehr, weil mir besonders die Verbindung von Fakten und Fiktion, von Recherche und Erfindung gefällt. Derzeit bin ich tief in verschiedene historische Themen eingetaucht, aus denen sich langsam zwei herausschälen. Welches von beiden das Rennen machen wird, kann ich noch nicht absehen – schließlich spielen bei dieser Entscheidung Herz und Kopf mit.

Mehr zu Sabine Weiß und ihren Büchern findet ihr auch auf ihrer Homepage.


Fotos: (Oben links) André Poling; (andere) Ullstein Verlag

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